G7-Gipfel in Elmau/ Bericht

G7-Gipfel in Elmau, Merkel, Obama, Hollande

Ein nicht alltäglicher Einsatz.

Damit Sie eine kleine Vorstellung bekommen, in welchem Ausmaß sich Medien bzw. wir als Fotografen mit so einem 28-stündigen G7-Gipfel beschäftigen, und was der ganze Spaß die Steuerzahler gekostet hat.

Bereits 1,5 Jahre vor dem eigentlichen Gipfel gab die Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt, dass der 41. G7-Gipfel im Schloß Elmau vom 06. auf den 07. Juni 2015 stattfinden wird, ein 5-Sterne-Hotel oberhalb der Ortschaft Klais im Wettersteingebirge. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht beachtet hatte war, dass am selbigen Abend das Championsleaguefinale in Berlin ausgetragen werden wird. Rings um Garmisch-Partenkirchen wurden sowohl von der Polizei als auch von diversen Nachrichtenagenturen und Fernsehsendern Zimmer bzw. ganze Hotels gebucht. Als der Terminfehler bekannt wurde und der Gipfel verschoben werden musste, nun stand der 07. auf den 08. Juni 2015 fest, ging eine Umbuchungswelle und ein Chaos los. Kein Spaß für die Hotels und die Organisatoren. Schließlich mussten nicht nur unzählige Journalisten sondern auch gut 20.000 Polizisten untergebracht werden.

Unsereins knüpfte bereits im Februar 2015 erste Kontakte mit dem Schloß, um erste Innen- und Außenaufnahmen für die Berichterstattung zu tätigen. Ganz zu Schweigen von den Planungen in und um Elmau, denn es wurde ein zusätzliches Gebäude in diesem Jahr errichtet, um jedem Staatschef genügend Platz für sich und sein Gefolge einzuräumen.

Von Freitag Morgen (05. Juni) bis Montag Abend (08. Juni) waren wir vor Ort und viele viele Stunden im Einsatz, um Demonstrationen, Kundgebungen, Ankünfte, Pressekonferenzen und Gespräche der Politiker für die Außenwelt festzuhalten. Die Arbeit an sich war nicht anstrengend, aber die unzähligen Stunden des Wartens und Anstehens zerrten an den Nerven. Da die Zufahrtsstraße nach Elmau am ersten G7-Tag gesperrt war, wurden alle Journalisten und Mitarbeiter per Millitärhubschrauber zum Schloß gebracht, dies bedeutete viel Warterei, denn pro 6-minütigen Flug konnten nur ca. 25 Personen befördert werden. Am zweiten Tag wurden alle mit dem Bus zum Schloß gefahren, welches leider auch nicht schneller ging. Wir mussten alleine 2h im voll besetzten Bus bei der Abfahrt vom Schloß warten, weil bereits alle Straßen für die Abfahrt von US-Präsident Barack Obama gesperrt und die Autos warm gelaufen lassen werden mussten. Während Obama noch seine Abschlußpressekonferenz gab, wurde im Hintergrund alles in die Wege geleitet. Was dabei mit den wartenden Journalisten passierte, war denen schlicht weg egal. Im Winter laufen die Politikerautos durchgehend, damit sie schön warm sind, wenn eine Veranstaltung vorbei ist und selbiges passiert im Sommer, denn da muss die Klimaanlage in Betrieb gehalten werden. Was sagen die Steuerzahler dazu und erst Recht, wie kann man über den Klimawandel debatieren und CO2-Reduzierung, wenn draußen endlose Autos in Betrieb gehalten werden?

Hier noch einmal die Zusammenfassung des Ergebnisses der G7-Gipfelteilnehmer.

‚Im Laufe des Jahrhunderts wollen die G7-Staaten erreichen, dass die Weltwirtschaft auf fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas verzichten kann. Der Ausstoß von Treibhausgasen soll bis 2050 im Vergleich zu 2010 um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Zur UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris wollen die G7-Länder Verpflichtungen für eigene Klimabeiträge abgeben. Die G7-Staaten wollen darauf hinwirken, dass die Zahl der Menschen in Entwicklungsländern, die sich gegen Klimaschäden wie etwa Überschwemmungen schützen können, bis 2020 um bis zu 400 Millionen erhöht. Sie bekräftigten das verbindliche Zwei-Grad-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung – unklar ist aber immer noch, wie und ob es erreicht werden kann.‘
(Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/elmau-143.html )

Dabei finde ich den letzten Satz am interessantesten… ‚unklar ist wie und ob es erreicht werden kann‘. Da frage ich mich doch, wozu dieser 360 Millionen Euro teure Gipfel, wenn alles weiterhin UNKLAR ist? Sicher haben wir als Medien an diesen Tagen arbeiten und unser Geld verdienen können, aber muss dies in einer Situation geschehen, wo mittlerweile monatlich 79.000 Flüchtlinge nach Deutschland einreisen? Im kommenden Jahr werden wir die 1 Million Marke knacken. Es fehlt allerorts an Personal, Räumlichkeiten, Verpflegung, Kleidung und Geld, um diese armen Menschen menschenwürdig zu versorgen?! Die Polizisten kommen an ihre Grenzen, stehen täglich unzähligen Menschen gegenüber, die sie in Zügen und auf der Straße auflesen. Sie müssen sich unter anderem den Krankheiten aussetzen, die mitgebracht werden, offene Tbc (weltweit gefährlichste Infektionskrankheit) und Krätze (Scabies oder Acarodermatitis, parasitaere Hautkrankheit). In was für einer Zeit leben wir eigentlich, wo Politiker sich nur noch um ihre Außenwirkung, ihre Darstellung in den Medien kümmern, immer mit dem nächsten Wahlkampf im Hinterkopf?

Wussten sie eigentlich, dass der Biergarten in Klais (er war in allen Medien zu sehen), in dem Angela Merkel und Barack Obama mit Weißwurst und Weißbier am Sonntag Morgen zu Tische saßen, gar nicht existiert? Er wurde eigens für dieses einstündige Frühstück aufgebaut, in Szene gesetzt und mit Trachtlern bestückt, die 3 Stunden in der Sonne ausharren mussten, um Obama zu Gesicht zu bekommen… ohne Worte!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Sollten die Politiker es mit ihren Weltveränderungsvorschlägen wirklich ernst meinen, dann sollten sie sich das nächste Mal auf einer kleinen Insel ohne Gäste und Medien treffen. Dabei könnten sie viel Geld ihres Volkes einsparen und ein Zeichen setzen. Leider wird dies in dieser Gesellschaft nur ein Traum bleiben.

Hier noch ein paar Zahlen. Musste das wirklich sein?

Schätzungen besagen, dass 360 Mio Euro für den gesamten Gipfel ausgegeben wurden.
z.B. 80.000 Euro für ein G7-Gipfel-Logo und 900.000 Euro für den Hubschrauberlandeplatzrückbau (Rückbau der Asphaltbefestigung und Neugestaltung des Areals)

Uwe Laser, Lukas Barth, Christof Stache und Michaela Handrek-Rehle waren dieser Tage für die Nachrichtenagenturen AFP (Agence France Presse) und Thomson Reuters sowie Phoenix im Einsatz, um die großen Politiker dieser Welt abzulichten.
August 2015, Michaela Handrek-Rehle

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